Kongress · Bildgebung

Beyond the Tooth: Tierzahnmedizin beim NewTom Forum 2026

Imola, 1.–2. Oktober 2026 · NewTom Forum 2026 „CBCT Reimagined“

Aktuelles

Dr. Matthias C. Eberspächer-Schweda am Podium beim NewTom Forum 2026 in Imola
Am Podium in Imola. Foto: NEWTOM Forum 2026 – Imola

Zum 30-jährigen Jubiläum von NewTom kamen in Imola Entwickler, Radiologen und Anwender von DVT-Geräten zusammen. In meinem Vortrag habe ich unter dem Titel „Beyond the Tooth“ gezeigt, was die digitale Volumentomographie in der Tierzahnmedizin und Kieferchirurgie heute leistet – und warum Tiermedizin für die Weiterentwicklung dieser Technik kein Randthema ist.

Was das zweidimensionale Röntgen verbirgt

Erkrankungen der Maulhöhle gehören bei Hund und Katze zu den häufigsten Diagnosen überhaupt; in einer US-Studie mit über 46.000 Tieren standen Zahnstein und Gingivitis an erster Stelle1. Bei Kaninchen und anderen Heimtieren sind Zahnerkrankungen einer der häufigsten Vorstellungsgründe.

Wurzelspitzen und Backenzähne sind aber weder von außen noch auf dem klassischen Zahnröntgen verlässlich zu beurteilen. Eine aktuelle Studie aus Davis verglich bei 46 Zähnen von 16 Hunden DVT und intraorales Röntgen: Die DVT erkannte periapikale Aufhellungen signifikant häufiger (p < 0,001)2. Im Vortrag habe ich das an eigenen Fällen gezeigt – eine Schnittserie im Millimeterabstand durch die Wurzel, in der die Entzündung hinter der Wurzelspitze sichtbar wird, die auf dem Film fehlt.

Messen statt schätzen

Nach einer Wurzelbehandlung kann das zweidimensionale Röntgen meist nur sagen: „kein Hinweis auf Misserfolg“. Mit der DVT lassen sich die Aufhellung vermessen und die Knochendichte im Verlauf vergleichen. Wird die Läsion kleiner und dichter, ist Heilung dokumentiert – nachvollziehbar für Halter, überweisende Kollegen und Gutachter.

Kaninchen ohne Narkose

Ein Kaninchen mit Kieferabszess wurde wach, nur in ein Handtuch gewickelt, in weniger als einer Minute untersucht. Bei 0,15 mm Auflösung sind Wurzelspitzen, Resorptionen und Abszess in einem daumengroßen Kiefer klar beurteilbar. Der strukturierte Befund mit Zahnschema nach Triadan entstand KI-gestützt in Minuten; gelesen und unterschrieben wird er nach wie vor von mir. Ein Wach-Scan gelingt nicht bei jedem Tier – gestresste oder atemnotgeplagte Patienten werden weiterhin sediert.

Dr. Eberspächer-Schweda während seines Vortrags „Beyond the Tooth“ in Imola
Vortrag „Beyond the Tooth“. Foto: NEWTOM Forum 2026 – Imola

Vom Bild zum Implantat

Derselbe Datensatz, der die Diagnose stellt, dient heute als Bauplan: Segmentieren, virtuell planen, patientenspezifisch drucken. Unsere eigene Arbeit an der Vetmeduni Wien hat das biomechanisch untersucht. An 3D-gedruckten Modellen eines Hundeunterkiefers mit 30-mm-Defekt erreichte die per Generative Design entworfene Platte die 2,8- bis 3,6-fache Bruchfestigkeit der Vergleichsdesigns3. Das sind Labordaten an Kunststoffmodellen, keine klinischen Ergebnisse – aber sie zeigen, wohin die Entwicklung geht.

Warum das für Hersteller zählt

Vom 40-Gramm-Kaninchenschädel bis zum Unterkiefer eines 70-kg-Mastiffs: Kein Einsatzgebiet fordert ein DVT-Gerät so vielseitig wie die Tiermedizin. Meine Botschaft an die Entwickler in Imola: Die Tiermedizin ist nicht nachgelagert, sondern ein Prüfstand für die gesamte Kette von der Aufnahme bis zum Implantat.

Für Tierhalterinnen und Tierhalter

Viele Zahnprobleme sieht man weder von außen noch auf einem normalen Röntgenbild. Das 3D-Röntgen zeigt, was wirklich vorliegt, und erlaubt eine gezielte Behandlung. Bei Kaninchen und Meerschweinchen ist die Untersuchung oft sogar ohne Narkose möglich.

Dr. Matthias C. Eberspächer-Schweda, Dipl. AVDC, Dipl. EVDC

Literatur

  1. Lund EM, Armstrong PJ, Kirk CA, Kolar LM, Klausner JS. Health status and population characteristics of dogs and cats examined at private veterinary practices in the United States. J Am Vet Med Assoc 1999;214:1336–1341. PMID 10319174
  2. Bonacini S, Goldschmidt S, Arzi B, et al. Evaluating cone-beam computed tomography vs. intraoral radiography for the detection of endodontal disease in dogs: diagnostic performance and inter-rater agreement. Front Vet Sci 2026;13:1893094. PMID 42620618 · doi:10.3389/fvets.2026.1893094
  3. Baumgartner D, Schramel JP, Kau S, Unger E, Oberoi G, Peham C, Eberspächer-Schweda M. 3D printed plates based on generative design biomechanically outperform manual digital fitting and conventional systems printed in photopolymers in bridging mandibular bone defects of critical size in dogs. Front Vet Sci 2023;10:1165689. PMID 37065217 · doi:10.3389/fvets.2023.1165689
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